Hochsensitivität

"Ich kann mich nicht konzentrieren, alles ist zu laut!“,

"Ich höre ständig meine Nachbarn in der Klasse wenn sie sich unterhalten!“

"Ich bin immer abgelenkt wenn etwas Interessantes passiert!“

 

Über Hochsensitivität / Hochsensibilität
Ca. 15 Prozent aller Menschen gelten als hochsensibel, d.h. jeder von uns hat hochsensible Menschen in seinem Umfeld. Die »Betroffenen« selbst wissen jedoch oft nicht, dass sie dieses Persönlichkeitsmerkmal in sich tragen. Oftmals wissen nur, dass sie sich schon immer irgendwie anders als die anderen gefühlt haben. Nicht selten fühlen sie sich dadurch ausgeschlossen und allein. Hochsensible sind hoch empfindsam, nehmen sich und ihre Umwelt, aber auch Stimmungen, intensiver und detaillierter wahr: Gesellige Runden, Lärm, laute Musik, Stress und grelles Licht können ihr Nervensystem überreizen.
 
Zur Geschichte
Vor einigen Jahren erschien im deutschsprachigen Raum ein Buch mit der Titelfrage: »Sind Sie hochsensibel?«. Es stammte von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron, die zu diesem Thema gemeinsam mit ihrem Mann geforscht hatte. Damit sprach sie vielen hochsensiblen Menschen aus der Seele, die sich bisher als über-sensibel, nicht belastbar, nicht in Ordnung und irgendwie »anders« gefühlt hatten. Sensory-Processing Sensitivity lautet der wissenschaftliche Ausdruck für die Persönlichkeitseigenschaft, die im deutschsprachigen Raum noch uneinheitlich als Hochsensibilität, Hochsensitivität und Hypersensibilität bezeichnet wird. Ohne nun im Detail auf die Begriffsverwirrung einzugehen, halte ich persönlich »Hochsensibilität« für das umgangssprachlich angenehmere Wort, während »Hochsensitivität« der wissenschaftlich exaktere Begriff ist. Hochsensible Menschen (HSM) nehmen vergleichsweise mehr Informationen aus der Umwelt auf, aber auch von sich selbst. Sie nehmen feine Einzelheiten in einem größeren Spektrum wahr, dabei spielt die Gefühlswelt eine große Rolle. Was HSM jedoch intensiver wahrnehmen, ist unterschiedlich. Der eine nimmt z. B. Gerüche, optische und akustische Eindrücke intensiver oder facettenreicher wahr, der andere bemerkt beispielsweise feine Nuancen in zwischenmenschlichen Beziehungen.
 
Ist Hochsensibilität Fluch oder Segen?
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass Hochsensibilität oftmals als Fluch erlebt wird, wenn diejenigen, auf die dieses Merkmal zutrifft, nicht darüber Bescheid wissen. Das Blatt wendet sich jedoch erfahrungsgemäß, wenn HSM sich und ihren Wesenszug erkennen und sich mit der eignen Persönlichkeit auseinandersetzen. Dann stellt sich zunächst eine gewisse Erleichterung ein, zwar »anders« zu sein, aber eben doch ganz normal. HSM lernen darauf hin, wie sie mit der Flut an Reizen umzugehen haben und arbeiten daran, sich abgrenzen zu können. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei HSM die Informationsspeicher schneller voll und die Akkus schneller leer sind. Das hat jedoch nichts mit der allgemeinen Konstitution, einer psychischen Schwäche oder gar Krankheit zu tun! Von außen betrachtet scheinen HSM zwar weniger belastbar, von innen betrachtet sind sie wahre »Lastenträger«. Diese Komplexität und Stärke des Innenlebens wird von vielen HSM als Reichtum empfunden.
 
Hochsensibilität als Stärke
Ich persönlich bezeichne Hochsensibilität gerne als Wahrnehmungsbegabung. HSM haben einfach feine Antennen und »sehen« oder fühlen Dinge, die für ihre Mitmenschen nicht vorhanden sind. Viele HSM haben Vorahnungen (Präkognitionen), die später so, oder so ähnlich auch eingetreten sind. Diese Vorahnungen haben sie schon als Kinder und legen sich selbst eine gewisse Verantwortung dafür auf. Mache verbieten sich selbst zu »sehen« oder zu »träumen«, weil sie Angst haben, dass das, was sie sich angeblich ausdenken später wirklich passieren wird. Manche HSM sind hoch empathisch und können fühlen, was in anderen Menschen vorgeht. Auch zu Tieren oder Pflanzen (der Natur) können sie einen besonderen Zugang haben. Manchen HSM ist es ein tiefes Bedürfnis anderen zu helfen, sie können es kaum ertragen, wenn ein Lebewesen leidet. Große Gewissenhaftigkeit, bis hin zum Perfektionismus, begleitet viele Sensible, denn sie haben einfach ein Gespür dafür, wenn etwas nicht in Harmonie ist.
 
 Ist das nicht ein hochsensibler Sensation Seeker?
 Zunächst bin ich tatsächlich davon ausgegangen, dass es sich dabei um einen hochsensiblen Menschen (HSM) handelt, der zusätzlich das Persönlichkeitsmerkmal Sensation Seeking in sich trägt, aber das schien mir als Erklärung nicht ganz stimmig zu sein. Auf der theoretischen Ebene bin ich der Meinung, dass es HSM/HSS gibt, praktisch bin ich mir jedoch nicht so sicher. D.h. die Frage, ob hochsensible Scanner hochsensible High Sensation Seeker sind, kann ich nicht wirklich beantworten, aber schauen wir einmal, was die Literatur dazu sagt.
 
HSM und HSS, also hochsensible Sensation Seeker, gelten als diejenigen, die mit einem Fuß auf dem Gas, mit dem anderen auf der Bremse stehen. In Ihrer Brust schlummern zwei Seelen. Die eine Seele ist absolut hochsensibel und das bedeutet, dass das Verhaltenshemmsystem (BIS) aktiviert ist. Das BIS löst ein „pause-to-check“ Verhalten aus, was bedeutet, dass bei neuen Reizen zunächst einmal keine Annäherung ausgelöst wird, sondern eine stille Beobachtung und ein tiefes Nachdenken die bevorzugte Reaktion ist.
 
Die andere Seele ist ein Sensation Seeker und das bedeutet, dass das Verhaltensaktivierungssystem (BAS) am Zuge ist. Das BAS löst Verhalten, also eine Reaktion aus, die Annäherung bedeutet. Beide Systeme reagieren auf einen Reiz sehr unterschiedlich -geradezu gegensätzlich- und das ist zuweilen problematisch. Der eine Teil möchte angesichts einer neuen Situation lieber still in einer Ecke das Geschehen beobachten, während der andere Teil sofort ins Geschehen reinhüpfen möchte.
 
HSM /HSS mögen es nicht, wenn sie warten müssen, ohne sich mit etwas beschäftigen zu können. Sie probieren Neues aus, aber sehr vorsichtig und achtsam. Sie sind neugierig und möchten viele Dinge erkunden, dabei neigen HSM /HSS jedoch dazu sich zu überfordern und ihre sensible Seite zu vernachlässigen, weil die andere Seite immer auf neue Erfahrungen drängt. HSM/HSS müssen lernen bewusst auf sich zu achten, damit sie sich nicht selbst ausbremsen und ihre vielfältigen Talente zeigen können.
 
Was sind Scanner?
Scanner werden von der Autorin Barbara Sher als Menschen beschrieben, die ebenfalls eine ausgeprägte Neugier an vielen Dingen haben. Ein Scanner beschäftigt sich mit vielen Themen, die augenscheinlich in keinem Zusammenhang stehen. Die Ideen scheinen Scannern nicht auszugehen und ihre Begeisterungsfähigkeit für neue Dinge scheint keine Grenzen zu kennen. Sie sind vielbelesen, recherchieren auf Teufel komm raus im Internet, machen 30 Dinge gleichzeitig und haben Schwierigkeiten bei einer Sache zu bleiben und zu Ende zu führen. Scanner sind Vielbegabte und dies bringt nun einen zusätzlichen Faktor ins Spiel: die Hochbegabung. Scanner „nur“ mit einem ausgeprägten Verhaltensaktivierungssystem (BAS) zu erklären, geht m.E. am Thema vorbei, denn die extreme Neugier von Scannern resultiert aus der Neugier eines Hochbegabten.
 
Resultiert diese Neugier und Offenheit für neue Erfahrungen bei HSM/HSS auch aufgrund einer Hochbegabung? Ich denke, diese Frage ist berechtigt.
 
Hochsensible Scanner, oder hochbegabt & hochsensibel 
Extrem begabt, extrem neugierig, extrem viel Wissen, extrem viele Ideen, extrem sensibel und extrem viele unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. Trotzdem – kein Erfolg.
 
Hochsensible Scanner haben ein 3-faches „Luxusproblem“, denn sie tragen Hochsensibilität, Sensation Seeking und eine Höchstbegabung in sich und ahnen oftmals nichts von alledem. In normalen Arbeitssituation kommen sie sich vor, als würden sie unter Ihrem Niveau bleiben, ecken nicht selten an, oder landen im Burn-Out. Manche kommen sich auch vor, als würden sie mit angezogener Handbremse fahren.
 
Hochsensible Scanner fassen erfahrungsgemäß erst in späteren Jahren zu ihren Begabungen Vertrauen, nämlich erst dann, wenn sie genug ausprobiert haben. So können sie sich sicher sein, dass dies nicht der Norm entspricht (weil andere Menschen dies nicht machen) und vielleicht sogar über der Norm liegt? Hier spricht eindeutig der HSM-Anteil und sehr vorsichtig ziehen hochsensible Scanner in Erwägung, dass sie vielleicht hochbegabt sein könnten?
 
Manche HSM-Scanner leben sehr angepasst und verstecken ihre Fähigkeiten, weil es ihnen vielleicht peinlich ist auf vielen unterschiedlichen Gebieten bewandert zu sein. Manche haben auch ein schlechtes Gewissen, weil sie vieles einfach gerne machen und sich darum nicht genug mit Familie oder Freunden beschäftigen. Oftmals sind HSM-Scanner introvertiert, wirken aber wie Extrovertierte. Es kommt auch vor, dass hochsensible Scanner Züge eines autistischen Spektrums zeigen und denken, dass mit ihnen vielleicht etwas nicht in Ordnung ist, weil Außenstehende manche Dinge nicht so recht nachvollziehen können.
 
Was tun?
Wenn Sie ein hochsensibler Scanner sind, dann profitieren Sie von einem Mentor, der Sie leitet. Das kann im besten Fall ein Coach sein, oder jemand, der Ihr Wesen nachvollziehen kann. Als Mentor muss man Ihre Motivation verstehen, denn in vielen Dingen ticken Sie einfach anders. Sie brauchen emotionale Nähe und reagieren sehr sensibel auf alle Formen von Bedrängnis. Als HSM-Scanner steckt etwas Großes in Ihnen und das will gefunden werden, denn…
 
Sie sind anders - aber trotzdem ganz genial !
 
 
 
 

 

 

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